Hans Conrad Zander: Kurzgefasste Verteidigung der Heiligen Inquisition. — Es spricht der Großinquisitor. Gütersloher Verlagshaus, 2007
Klappentext:
Hätte es den Großinquisitor nicht gegeben, es gäbe die ganze Christenheit nicht mehr. Er allein, der Großinquisitor und spätere Papst Pius V., hat verhindert, dass Rom, und damit ganz Europa, von den Muslimen erobert wurde. Ohne ihn würden Frauen wie Alice Schwarzer und Margot Käßmann heute mit Kopftuch oder gar in der Burka herumlaufen. Hat die Heilige Inquisition dafür nicht unseren tiefempfundenen Dank verdient?
Was immer es noch an schlimmen Vorurteilen gegen die Heilige Inquisition geben mag, Hans Conrad Zander, der Großmeister der religiösen Satire, überwindet sie mit Argumenten voll staunenswerter historischer Wahrheit.“
Wunderbarer Titel. Zander lässt in fünf Reden den Großinquisitor auftreten und nachweisen, dass die Heilige Inquisition
- jung und fortschrittlich,
- frauenfreundlich,
- effizient war,
- Recht hatte und
- heilig war.
So ein Buch muss natürlich her. Ich weiß gar nicht mehr, wo ich davon gelesen hatte, im Zweifel bei kath.net .
Wunderbare Sprache. Den ganzen Text durchfließt eine augenzwinkernde Ironie, die einen beständig lächeln macht und einem das Herz öffnet: Diesem Redner stimmt man gern zu. — Fast immer.
Das beginnt schon im Inhaltsverzeichnis. Der Titels der fünften Rede lautet: „Die Heilige Inquisition war heilig.“ — Ja, natürlich, was denn sonst? *big-grin*
Aber es wird ja noch schöner: Hinter dem Wort „heilig“ steht nämlich ein (R), und unten auf der Seite wird erklärt: „Registered orthography of the Holy Inquisition. Offenders will be prosecuted.“ — Das ist Zanderscher Schalk, und er lugt immer wieder zwischen den Zeilen hervor und schafft sofort eine augenzwinkernde Gemeinschaft: Wir wissen ja, dass das nicht Ernst gemeint ist — und deshalb ist es eben doch Ernst gemeint.
Bemerkenswert ist die Einführung des Großinquisitors durch Zander. Der Großinquisitor führt eindringlich die Schilderungen des Großinquisitors in der Literatur an, um dann den Kontrapunkt zu setzen:
Wo immer der Großinquisitor in dichterischer Phantasie auftritt, ist er neunzig. Genau neunzig Jahre ist er alt und ein blutleer erstarrter, lebensfeindlicher Greis.
Das ist der Grund, warum mir soviel daran liegt, persönlich vor euch zu erscheinen. Nicht vor euere Phantasie, sondern vor euren Augen. Schaut her! Mit eigenen Augen schaut her! Seht ihr, wie jung ich bin?
Ich bin die Jugend und der Fortschritt in Person. So jung bin ich, wie es die ganze Heilige Inquisition von Anfang an war.
Und mit dieser Verve führt der Großinquisitor jede seiner Reden. Unglaublich beredt ist dieser Großinquisitor, belesen ist er und bibelfest. Dort, wo es sich gehört, dämpft er den Ton, dort, wo es sich anbietet, poltert er laut los, aber immer ist er dieses: lebendig und handfest, ehrlich und klar.
Bisweilen beschriebt Zander auch die Zuhörer:
Der Großinquisitor flüstert. Alle spitzen die Ohren. Nur ein paar Handys klingeln noch.
– Erstmals gebe ich jetzt das Bankgeheimnis der Heiligen Inquisition preis.
Mäuschen-Stille im Saal. Sogar die Handys horchen stumm.
– Ich spreche von der Truhe mit den drei Schlössern!
Ja, selbst als Leser horcht man stumm gemeinsam mit den Handys, um nur ja keines der geflüsterten Worte des Großinquisitors zu verpassen.
Dieses wunderbare Bekehrungsbuch für Katholiken klingt aus:
In der langen Geschichte der Heiligen Inquisition ist ein Moment der Theophanie: Erscheinung Gottes. Im heiligen Großinquisitor Michele Ghislieri ist uns der Gott der Schlachten erschienen. Ein ganz unsympathischer Gott ist das, der ‘Herr der Heere’. Und doch ist er dreimal heilig:
‘Sanctus, Sanctus, Sanctus Dominus, Deus Sabaoth!’
Der Großinquisitor zieht sich schweigend zurück.
Großes Kino!