Respice in me

2008-06-02

Vielerorts in Deutschland finden jetzt wieder katholische Messen im alten Ritus statt. Ein Argument, das häufig für die alte Messe angeführt wird, ist, dass darin liturgische Missstände weniger Platz greifen könnten, als in der neuen Messe.

Aber ist das tatsächlich so? Befürworter der alten Messe regen sich über weibliche Ministranten auf, akzeptieren aber weibliche Scholasängerinnen ohne Probleme. Befürworter der alten Messe finden Latein in der Messe viel „schöner“, bestehen aber auf deutschen Gotteslobliedern in der alten Messe. Befürworter der alten Messe halten sich zumeist für besonders fromm, sie sind aber nicht in der Lage, sich fünf Minuten lang auf die Messe vorzubereiten, und fordern eine doppelte Verlesung von Lesung und Evangelium, neben Latein auch in Deutsch.

In all dem offenbart sich, dass das falsche Verständnis der Messe auch in altrituellen Kreisen längst Wurzeln geschlagen hat. Auch Altrituelle wissen nicht (mehr), dass die Messe Lobpreis Gottes ist, der Moment irdischen Lebens, in dem wir uns mit dem Lob der Engel vereinigen. Statt dessen wird die Messe zur ichbezogenen Veranstaltung umgedeutet und umgebaut. So als sei die Lesung des Evangeliums nicht Lobpreis Gottes sondern zur Unterrichtung der Gemeinde da. Warum sonst sollte sie auf Deutsch erfolgen müssen?

Das ist ein verdrehtes — perverses — Verständnis der Messe. Es muss Aufgabe der Priester sein, dieses Verständnis wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen, statt allen Forderungen dieser verdrehten Laien nachzukommen.

4 Responses to “Respice in me”

  1. KJ Says:

    Einige sehr wichtige Einsichten. Ich smypathisiere selbst mit dem Alten Ritus, sehe aber auch ähnliche Gefahren. Der Ritus allein macht es nicht, sondern die Ausrichtung auf Gott.
    Wobei es schon stimmt, dass der Neue Ritus – einfach ein Erfahrungswert – für Ablenkungen gegenüber dieser Ausrichtung auf Gott anfälliger ist. Aber auch der Alte Ritus ist dagegen nicht gefeit. Die innere Einstellung der Gläubigen kann (und muss) zwar durch den Ritus geformt werden, aber sie muss aus seinem Inneren kommen.

  2. Tiberius Says:

    Salvete!

    Zustimmung! Ich sehe das genauso.

    Übrigens bin ich froh und dankbar, daß das Institut St. Philipp Neri den Besuch der alten Messe in Berlin ermöglicht. Für mich ist die alte Liturgie die sinnfälligste und lebendigste Form der katholischen Theologie und ihrer Katholizität. Die derzeitige Regelung durch das Summorum Pontificorum ist – so denke ich – für alle Seiten zum Besten. Die Aufgeregtheiten auf beiden Seiten sind hingegen wenig förderlich.

    Valete!
    Tiberius

  3. Acolythus Says:

    Laudetur Iesus Christus!

    ICh stimme Dir vollkommen zu und ich freue mich immer sehr, wenn ich „Brüder und Schwestern im Glauben“ finde, die für diese Perspektive des Gotteslobes sensibilisiert sind und nicht mit einfachen Schablonen (im Alten Ritus war alles besser!) argumentieren. Ich sehe auch viele Vorteile im gregorianischen Ritus (B. XVI.), da er deutlicher als neuere Messformen hilft, diese Ausrichtung auf Gott hin zu finden. Ob diese Ausrichtung und Haltung auch gefunden wird, liegt ganz in der Disposition jedes Einzelnen: Kann ich diese Selbstzurücknahme (Demut) leisten und die Liturgie allein zur Verherrlichung Gottes feiern oder will ich darin irgendwie vorkommen oder mich sogar nach vorne spielen?
    Schaffen die Betenden und Feiernden diesen Akt, dann wird die Feier transparent für die Dimension Gottes, auch für manche Person, die vielleicht randständig ist. Wird dieser Akt der Demut nicht geleistet, spielen sich Personen mit ihren „Bedürfnissen“ nach vorn, so ist das genauso störend Schauspieler, die sich selbst und nicht Shakespeare auf der Bühne geben oder Musiker die ihre grandiose Technik zeigen, aber die Komposition nicht verstanden haben.
    Wer nicht gerade ein fanatischer Anhänger dieses Mimen oder Musikers ist, sondern vielmehr daran interessiert ist, daß Shakespeare, Goethe, Bach, Guilmant zur Geltung kommen, den wird sowas abstossen.
    Von daher gilt für mich: omnia ad maiorem Dei gloriam! aber – und hier teile ich Deine Erfahrungen – dieses Verständnis findet sich leider zu selten, in allen liturgischen Lagern!

  4. rotegraefin Says:

    Ich glaube und habe schmerzhaft erfahren, dass in unserer Kirche allerorten der leicht kränkbare und kranke Geist der Narzissten herrscht.

    Ich habe mich auch wieder nach einer Messe gesehnt, in der Priester mit dem Rücken zum Volke liest.
    Weil ich einmal beobachten konnte wie bei einer Konzelebration, regelrecht ein Machtkampf zwischen den beiden Geistlichen ausgefochten wurde. Als ich den Verlierer nach der Messe ansprach leugnete er irgendwelche Schwierigkeiten.

    Die nächste Episode begab sich an Heiligabend, als mit einem Schützling ziemlich weit vorne am Altar saß und der Pfarrer mich mit giftig minutenlang anstarrte.

    Die dritte Geschichte ergab sich mit einem Geistlichen, den ich aufgesucht hatte, weil ich nicht mehr wusste, ob ich noch in der Kirche bleiben kann. Erst machte mich der Typ fertig und als ich darum kämpfte aus diesem Loch wieder heraus zu kommen und ich ihm sagte, dass ich wisse was ich wolle und er nicht. Beglückte er mich bei der nächsten Messe über die Verehrung der Hostie mit magischer Manipulation, so dass ich mich einer Operation unterziehen musste.

    Die vorletzte Messe die ich besucht habe, war ein Jugendgottesdienst, in dem mehrmals behauptet wurde: „Mein Gott ist nicht grausam tut mir leid für Deinen“
    Ein Gespräch darüber wird einfach abgelehnt.

    Das Grundproblem liegt in meinen Augen darin, das wir den Glauben an einen lebendigen Gott verloren haben und den wir seit Jesus Christus in jedem Menschen treffen können, wenn wir die Augen nur aufmachen. Dann wird auch eine lebendige und echte Liturgie wieder möglich. Wir berauchen eine Bekehrung der Herzens.


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