Heilige Birgitta von Schweden
2008-08-20
Das wird als Widerspruch verkauft: Auf der einen Seite sei Gott doch so barmherzig und vergebe alles, auf der anderen Seite stelle die Kirche so strenge und weltfremde Regeln auf, um die Menschen zu gängeln. Die Kirche gerate mit ihren strengen Forderungen geradezu in Gegensatz zur Liebe Gottes.
So ein Unsinn, da wird ein Scheinwiderspruch aufgebaut. Sehr deutlich ist mir dies aufgefallen an einer Stelle in den Revelationes der Hl. Birgitta von Schweden. Christus sagt dort zu Maria:
Ego … terribilis sum inimicis meis. Ipse quippe fugiunt a me quasi a conspectu serpentis, pavent a me et abominantur quasi serpentem, cum tamen ego sim sine veneno maliciæ, plenus omni misericorida. Ego patior me teneri ab eis, si voluerint, ego revertor ad eos, si me quæsierint. Curro ad eos quasi mater ad filium perditum et inventum, si me invocaverint. Exhibeo eis misericordiam meam et dimitto peccata eorum, si clamaverint. Hoc facio eis, et adhuc abominantur me quasi serpentem.
(Lib. I, cap. 54)
Christus erscheint dem fürchterlich und hassenswert, der sich ihm widersetzt. Aber wer ihn ruft, wer ihn sucht, wer sich ihm zuwenden will — dem eilt er entgegen. Es gibt ihn nicht, den künstliche Gegensatz zwischen mitleidloser Kirche und dem alles akzeptierendem Gott, weil es weder einen alles akzeptierenden Gott noch eine mitleidlose Kirche gibt. Die Kirche lehrt nur, was wahr ist, was Gott selbst von sich ausgesagt hat. Gott ist barmherzig und verzeihend, wenn der Mensch — das freie Wesen — sich ihm zuwendet und strebt, ihm nahe zu sein. Wer sich aber von Gott abwendet, weiß im Inneren, dass er das Ziel, den Zweck seines Lebens aus den Augen verloren hat. Deshalb rumort sein Gewissen und er fürchtet sich, Gott wieder vor die Augen zu treten. Und verkündet wird dieser Gott von der Kirche. Deshalb der Hass auf die Kirche.
Statt dessen macht man sich lieber einen Götzen zurecht, der harmlos ist und keine Ansprüche stellt, das goldene Kalb, um das man beliebig tanzen kann. Und man meint diese Kalb, wenn man sagt, "Gott verzeiht alles."
Gott, der wahre und einzige Gott verzeiht tatsächlich alles. Aber nicht bedingungslos. Vorbedingung ist, dass man auch tatsächlich Verzeihung will, also anerkennt, falsch gehandelt zu haben, auf die schiefe Bahn geraten zu sein. Wer meint, immer recht gehandelt zu haben, braucht ja auch keine Verzeihung.