An sich ist es immer der gleiche Ablauf. Als ich davon hörte, dass Benedikt die Exkommunikation der vier von Erzbischof Lefebvre geweihten Bischöfe aufgehoben hatte, habe ich mich gefreut und dachte, alle Welt müsste sich freuen. — Pustekuchen, Frau Welt hat sich gar nicht gefreut und sich redlich gemüht, mir mit zänkischem, kleinkariertem und intrigantem Nörgeln und Nerven meine Freude kaputt zu machen.
Als ich den jünsten Brief von Benedikt an die Bischöfe las, habe ich geweint vor Freude und dachte, dieser Brief sei so brillant, klar und so voll tiefer Menschlichkeit, dass ihn jeder verstehen und davon gerührt werden müsste. — Pustekuchen, Frau Welt trompetet ihre dröge Blablalitanei weiter in bekannter Weise.
Ich will all das Gekrittel und Geschreibsel der Journaille und der Episcopaille gar nicht lesen. Es bringt nichts, es hilft mir nicht, es ärgert mich bloß und nährt meinen Zweifel daran, dass diejenigen, die so laut von Moderne, Humanität und Aufklärung reden, wirklich Willens und in der Lage sind, sich ihres Verstandes zu bedienen, den Gott ja auch ihnen gegeben hat. Ich neige angesichts so vieler Bretter vor so vielen Köpfen schnell zu misanthropischem Miesepetertum.
Besser macht das Dr. Charlier, der es sich angetan hat, all diesen Schmutz und Schund zu sichten, aber auf Summorum Pontificum zu folgendem optimistischen Schluss kommt:
Die Kritiker des Papstes haben viel Häme darüber ausgegossen, daß der Vatikan die Möglichkeiten des Internets noch nicht voll zu nutzen verstehe. Dabei haben sie, zumindest die Papstkritiker innerhalb der Kirche, selbst noch gar nicht begriffen, daß das Internet auch das Ende ihres auf Meinungsmanipulation und eifersüchtiger Verteidigung von Herrschaftswissen beruhenden Machtsystems bedeutet. Noch vor 10 Jahren hatten nur Spezialisten Zugang zu Konzilsdokumenten, Enzykliken, Instrumenta Laboris und anderen Dokumenten aus dem Zentrum der Kirche. Wenn die Bistumszeitung nur 13 Zeilen aus einer Papstrede berichtete, dann gab es nur 13 Zeilen, basta. Da war es möglich und üblich, zu behaupten, was gefiel, und das als treue Übereinstimmung mit dem heiligen Vater in Rom hinzustellen – das dumme Volk wußte es nicht besser. Nur so konnte der Geist des Konzils überhaupt Kraft gewinnen – schon die Übersetzer der Konzilsdokumente begannen bei der Verdeutschung mit den ersten Manipulationen, und Latein sollte ja ohnehin bald aussterben.
Damit geht es jetzt zuende. Die neue Generation lernt Latein und Internet, die Zeiten des in Unmündigkeit zu haltenden Kirchenvolks gehen zu Ende – und das ganz anders als die es sich vorstellten, denen die angebliche Befreiung der Laien aus angeblicher Unmündigkeit nur ein Vehikel dafür war, sich selbst von der Treue zu Petrus zu befreien.
King Küng
2009-03-12
Oh, da hat sich einer den Frust von der Seele geschrieben! Und an den Sprachkapriolen und am Sprachwitz wird deutlich, dass die empfangenen Verletzungen tief gehen und schon über lange Zeit: Otterbeck über Küng, sehr ergötzlich, sehr lesenswert.
Der Totmacher
2009-03-10
Die FAZ hat einen nicht uninteressanten Beitrag, in dem der Autor, Oliver Tolmein, über Hans Küngs Reaktion auf die Demenzerkrankung Walter Jens’ schreibt. Tolmein schreibt unter anderem:
Hans Küng ist erschüttert, weil er nichts mehr für seinen an Demenz erkrankten Freund Walter Jens tun kann. Dabei kann er mit ihm zum Kaninchenstall gehen oder zu Caro, dem Wachhund.
Das Leben mit Demenz betrachtet Küng in erster Linie unter dem Aspekt, ob das Weiterleben des Erkrankten noch erträglich erscheint. Dabei schreibt Küng gar nicht in erster Linie über Jens. Sein Bericht skizziert vor allem die Wirkung, die Jens auf ihn hat. [...] „Mich erschüttert, dass ich so gar nichts für ihn tun kann“, bilanziert Küng, dabei wäre viel gewonnen, wenn er akzeptieren könnte, dass er mit ihm etwas tun kann.
Gut deckt Tolmein auf, dass es Küng, wenn der versucht, den Sterbewunsch Jens’ zu belegen, im Grunde gar nicht um Jens geht, sondern dass es Küng ist, der mit Jens nicht klarkommt. Die Konsequenz ist erschreckend. Dem demenzkranken Jens wird das Personsein abgesprochen. So wie Jens in der Debatte ‘entmenscht’ wird, so wird ja auch Kindern im Mutterleib das Menschsein abgesprochen, um sie dann ‘wegmachen’ zu können.
Die Ars moriendi ist wichtig (und wird seit Jahren viel diskutiert), weitaus schwerer tun wir uns aber gegenwärtig in den gar nicht so seltenen Extremsituationen des Lebens mit der Ars vivendi. Um auf das von Küng gebrauchte Bild des Eingeschlossenen zurückzukommen: Walter Jens hat sich nicht selbst irgendwo und vor uns eingeschlossen, er hat sich auch nicht selbst eine eigene Welt gesucht – im Gegenteil: Wo ihm die Gelegenheit geboten wird, nimmt er, so wie er es heute kann, offenbar gerne teil am allgemeinen Leben. Die Tragödie des dementen alten Mannes ist, dass er aus unserer Welt schon weitgehend ausgebürgert worden ist – als Fall Walter Jens, als einer, der, nach Meinung vieler, besser schon längst gestorben wäre.
Der Artikel Sterbehilfe: Wer schließt sich ab?
