Elsa zitierte gestern drei heilige Frauen. Unter ihnen auch die heilige Birgitta von Schweden. Ich finde es seltsam, dass so vieles, was Birgitta vor knapp 700 Jahren schrieb (na ja, schreiben ließ), gerade mein Heute so zutreffend beschreibt. Hat sich in den 700 Jahren nichts geändert? Oder war’s zwischendurch vielleicht mal besser, aber meine Gesellschaft ist heute wieder auf den Stand von 1300 und’n paar Zerquetschte zurückgefallen?

Wie bin ich überhaupt zu Birgitta gekommen? — In Rom stand ich auf eine Nebenbemerkung hin einmal vor dem Haus der (neuen) Birgittinen und dachte mir: »Musste dir ma näher mit befassen.« Dann war viiiele Monate Funkstille. Dann wieder eine Nebenbemerkung, diesmal einer — beiseite gesprochen bildhübschen — Dame über einen feurigen Satz aus Birgitten Offenbarungen. »Jetzt aber ma Butter bei die Fische,« dachte ich mir. Und tatsächlich — Internet sei Dank! — sind ihre Offenbarungen problemlos zugänglich, auf Deutsch und Latein.

Mit dem tatsächlichen Lesen hat’s dann zwar wieder etwas gedauert (Studiweisheit »Gut kopiert ist schon gelesen«), aber als ich mit Lesen erst mal angefangen hatte, war ich fasziniert: Wie kann jemand, der vor 700 Jahren schrieb, so treffsicher die Dinge ansprechen, die mich heute beschäftigen?

(Arbeitsauftrag an mich: Ich muss die Linkliste hier mal erweitern und Dauerverweise auf Birgitten Werke einbauen.)

Gerade kam — und er läuft noch immer — im Deutschlandfunk ein Kommentar dazu, dass Bayern seine Klage gegen das rot-grüne Adoptionsrecht für homosexuelle Verpartnerte zurückgezogen hat. Ich habe ihn ausgeschaltet, denn er war unerträglich, strotzte nur so von Vorurteilen, Plattitüden und Bigotterie.

Der Kommentator fragte zum Beispiel, warum es der Ehe schaden sollte, wenn eingetragene Partnerschaften von Homosexuellen der Ehe rechtlich gleichgestellt würden. — Offensichtlich bemerkt er den Unterschied zwischen der Ehe — der unauflöslichen sakramental bekräftigten Verbindung zweier Menschen, die aufeinander hingeordnet sind und zusammen ein Ganzes bilden, das Leben spendend sich fortzeugt — und einem zeitweisen gemeinsamen Haushalt zweier seelisch Verirrter — steril und un-heil — nicht.

Und so ging es immer weiter. Das den Geist und die Seelen knebelnde Dogma von der Schicksalhaftigkeit und Berechtigtheit einer »(homo-)sexuellen Identität«, der sich jeder Mensch zu unterwerfen habe, unterwerfen müsse, weil seine oder gar »die« Natur das gebiete, feiert fröhliche Urständ.

Dabei spricht der Kommentator ja nur aus, was der allergrößte Teil der Menschen in meiner Gesellschaft ja sowieso glaubt — oder glauben zu müssen meint: Überall sehe ich die Anstrengungen, Schwule und Lesben (und Transgender und …) nur ja nicht zu »diskriminieren« und sich bei ihrer Integration nur ja nichts anmerken zu lassen. —

Nur im privatesten Gespräch, wenn sie sich auch von ihrem eigenen inneren Zensor unbeobachtet glauben, lassen sie zwischen den Zeilen ihr gesundes Unbehagen gegenüber diesen ungesunden Erscheinungen durchscheinen.

Wie viel Zeit und Mühen wird es brauchen, um mein Land wieder zur Besinnung zu bringen und die Wunden, die die Knebelparolen der Französischen Revolution angerichtet haben, wieder zu heilen. Zur Mahnung mag der Satz Péladans dienen: »Am Tage der Wiederauferstehung werden die Chronisten auf die Wände, wo die Geschichte geschrieben steht, nichts schreiben; denn das Volk ist nicht mehr da, denn das Land ist tot, in dem man die Kinder nicht mehr zu Gott kommen lässt«.

Heiliger Thorlacius, bitte für uns!

Jeden Tag wird in den deutschen Medien eine Zwei-Minuten-Hass-Sendung gegen tatsächliche oder vermeintliche Nazis gegeben, sei es in der Sportberichterstattung oder einer Tourismussendung. Es wird ein Schreckensszenario aufrecht erhalten und ein Feind aufgebaut, der in der Wirklichkeit nicht exisitiert. Es existiert einfach derzeit keinerlei Bedrohung unserer Gesellschaft durch irgendwelche rechtsextremistischen Umtriebe.

Gewalt in nennenswertem Maße, Gewalt auf der Straße, Terror durch ungerichtete Gewalt geht derzeit nur von Links aus. Ob bei den Chaostagen in Hannover, am 1. Mai in Berlin, bei den organisierten Brandanschlägen auf Autos in Berlin und Hamburg oder nach dem Schanzenfest in Hamburg: Immer ist es linke Gewalt, die die Straße reklamiert. Das ist die Realität.

Statt die Nazichimäre weiter künstlich am Leben zu halten, wäre es klug, die Augen aufzumachen, um zu verstehen, woher die Gewalt auf unseren Straßen tatsächlich kommt, und dann endlich Programme gegen Links und Aussteigerinitiativen für Wege aus der Antifa- und der Autonomen-Szene anzuschieben.

Natürlich wird es dazu derzeit nicht kommen, denn noch wirkt der inszenierte Hassableiter „Nazi“ systemstabilisierend. Mal sehen, was die Systemlinge benutzen, wenn er sich verbraucht hat.

Maischrei

2009-05-03

Wir leben schon in einer lustigen Kaschperlrepublik.

Zum 1. Mai hatten Personen aus dem Umkreis der NPD bzw. der Kameradschaftsszene eine Demo in Hannover angemeldet. Sie wurde verboten, weil „die öffentliche Sicherheit gefährdet“ sei (wohlgemerkt, nicht durch die Demonstranten sondern durch eventuelle Gegendemonstranten). Die Stadtverwaltung flaggte überall Sloganfahnen und klebte Plakate „Hannover gegen rechts.“

Zum 1. Mai hatten Personen aus dem Umkreis der LINKEN bzw. der Autonomen Szene eine Demo in Berlin angemeldet (sog. „Revolutionäre 1.-Mai-Demo“). Sie wurde nicht verboten, obwohl jeder weiß, dass „die öffentliche Sicherheit“ durch sie nicht nur gefährdet sondern seit Jahrzehnten stets aufs Neue zerstört wird. (Hunderte Verletzter, zerschlagene Scheiben, geplünderte Läden, ausgebrannte Autos, zerstörtes Pflaster, …)

Wann wird dieser Politikantenstadl eigentlich mal wieder abgesetzt?