Vielerorts in Deutschland finden jetzt wieder katholische Messen im alten Ritus statt. Ein Argument, das häufig für die alte Messe angeführt wird, ist, dass darin liturgische Missstände weniger Platz greifen könnten, als in der neuen Messe.
Aber ist das tatsächlich so? Befürworter der alten Messe regen sich über weibliche Ministranten auf, akzeptieren aber weibliche Scholasängerinnen ohne Probleme. Befürworter der alten Messe finden Latein in der Messe viel „schöner“, bestehen aber auf deutschen Gotteslobliedern in der alten Messe. Befürworter der alten Messe halten sich zumeist für besonders fromm, sie sind aber nicht in der Lage, sich fünf Minuten lang auf die Messe vorzubereiten, und fordern eine doppelte Verlesung von Lesung und Evangelium, neben Latein auch in Deutsch.
In all dem offenbart sich, dass das falsche Verständnis der Messe auch in altrituellen Kreisen längst Wurzeln geschlagen hat. Auch Altrituelle wissen nicht (mehr), dass die Messe Lobpreis Gottes ist, der Moment irdischen Lebens, in dem wir uns mit dem Lob der Engel vereinigen. Statt dessen wird die Messe zur ichbezogenen Veranstaltung umgedeutet und umgebaut. So als sei die Lesung des Evangeliums nicht Lobpreis Gottes sondern zur Unterrichtung der Gemeinde da. Warum sonst sollte sie auf Deutsch erfolgen müssen?
Das ist ein verdrehtes — perverses — Verständnis der Messe. Es muss Aufgabe der Priester sein, dieses Verständnis wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen, statt allen Forderungen dieser verdrehten Laien nachzukommen.
Das Mitlesen im Schott während der Messe ist sicherlich nützlich, wenn man genau wissen will, über welches lateinische Wort der Priester gerade wieder geholpert und gestolpert ist. Einen anderen Sinn kann ich darin aber nicht entdecken.